Regionale Wirtschaft stärken – warum uns die Mühlhausener Veranstaltung auch in Wiesloch etwas angeht

Veranstaltungshinweis: Freitag, 18. September 2026, ab 18:00 Uhr, Bürgerhaus Mühlhausen

Wer in den letzten Monaten eine Sitzung des Wieslocher Gemeinderats verfolgt hat, kennt das Muster: Es wird gerechnet, gestrichen, verschoben – und am Ende steht doch wieder die Frage im Raum, woher das Geld für das kommende Jahr kommen soll. Uns geht es dabei nicht anders als vielen Kommunen in der Region. Die Aufgaben werden mehr, die Kosten steigen, die Einnahmen halten nicht Schritt.

Sparen ist notwendig, und wir stellen uns dieser Verantwortung. Aber wir sagen auch offen: Der Punkt ist absehbar, an dem weitere Kürzungen nicht mehr nur Zahlen in einem Haushaltsplan betreffen, sondern das, was Wiesloch als Stadtgemeinschaft ausmacht. Vereinsförderung, Jugendarbeit, Kultur, Betreuungsangebote, das Ehrenamt, die Treffpunkte in den Stadtteilen – all das wirkt in einer Haushaltstabelle wie eine „freiwillige Leistung“. Tatsächlich ist es der Kitt, der eine Stadt zusammenhält. Wer ihn wegspart, spart am Ende die Gemeinschaft weg und wird die Folgekosten – Vereinsamung, weniger Engagement, mehr Sozialausgaben – ein paar Jahre später doppelt bezahlen.

Sparen allein löst das Problem nicht

Deshalb greift eine Debatte, die sich ausschließlich um die Ausgabenseite dreht, zu kurz. Ein Haushalt hat zwei Seiten. Über die Einnahmenseite reden wir in den Kommunen erstaunlich selten – dabei ist genau dort der Spielraum, den wir uns selbst erarbeiten können, statt auf Zuweisungen von Land und Bund zu warten.

Für Wiesloch heißt das konkret: Gewerbesteuer entsteht dort, wo Betriebe wirtschaftlich erfolgreich sind. Einkommensteueranteile entstehen dort, wo Menschen Arbeit finden und wohnen bleiben. Beides hängt an einer lebendigen lokalen Wirtschaft – am Handwerk, am Einzelhandel in der Innenstadt, an den kleinen und mittleren Betrieben in unseren Gewerbegebieten, an denen, die sich neu selbstständig machen. Diese Struktur ist kein Selbstläufer. Sie braucht Flächen, verlässliche Ansprechpartner in der Verwaltung, schnelle Genehmigungen, Nachfolgeregelungen für Betriebe, deren Inhaber in den Ruhestand gehen, und eine Innenstadt, in der sich Investitionen lohnen.

Kommunale Wirtschaftsförderung ist deshalb kein Luxusthema für gute Zeiten. Sie ist gerade in schlechten Zeiten die einzige Stellschraube, mit der eine Stadt ihre eigene Zukunft beeinflusst.

Was in Mühlhausen passiert

Die Arbeitsgemeinschaft des Gemeinderats in Mühlhausen hat aus einer ganz ähnlichen Haushaltslage heraus dieselbe Schlussfolgerung gezogen – und lädt am 18. September ins Bürgerhaus Mühlhausen zur Veranstaltung „Regionale Wirtschaft stärken!“ ein. Ausdrücklich sind die Nachbargemeinden eingeladen, also auch wir.

Der Abend ist zweiteilig aufgebaut. Ab 18:00 Uhr kommen in einer Expertenrunde Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik, Kommunen, Bildung und Zivilgesellschaft zusammen – also genau die Ebenen, die bei Wirtschaftsförderung ineinandergreifen müssen und in der Praxis oft aneinander vorbeiarbeiten. Ab 19:00 Uhr folgt der öffentliche Teil, zu dem alle Interessierten willkommen sind.

Der Ansatz überzeugt uns: erst eine ehrliche Analyse der wirtschaftlichen Lage in unserer Region, dann der Blick auf Modelle, die anderswo bereits funktionieren – Förderung von Existenzgründungen, Unterstützung von Klein- und Mittelbetrieben, Modernisierung bestehender Unternehmen. Denn in Krisenzeiten geht viel gewachsene Wirtschaftsstruktur verloren, gleichzeitig entsteht Neues: Die Zahl der Neugründungen ist hoch. Ob diese Chancen bei uns ankommen oder anderswo, entscheidet sich auch daran, ob Kommunen dafür Voraussetzungen schaffen.

Als Referent hat sich unter anderem Kurt Beck angekündigt, früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und ehemaliger SPD-Parteivorsitzender. Er wird über die Transformation der Wirtschaft in Rheinland-Pfalz berichten – ein Land, das den Strukturwandel nach dem Abzug der US-Streitkräfte und dem Umbau der Industrie über Jahre hinweg gestaltet hat. Daneben sprechen Fachvertreterinnen und Fachvertreter aus verschiedenen Bereichen über konkrete Handlungsmöglichkeiten vor Ort.

Unsere Empfehlung

Wir als SPD Wiesloch sind nicht Ausrichter dieser Veranstaltung – aber wir empfehlen sie ausdrücklich. Wirtschaftsräume enden nicht an Gemarkungsgrenzen. Wer in Wiesloch arbeitet, wohnt oft in Mühlhausen, Rauenberg, Dielheim oder Walldorf – und umgekehrt. Wenn es gelingt, in der Region gemeinsam über Wirtschaftsförderung nachzudenken, statt sich gegenseitig Betriebe abzuwerben, gewinnen alle.

Wer sich für die Zukunft unserer Region interessiert – als Gewerbetreibende, Handwerkerin, Gründer, Vereinsvorstand oder einfach als Bürgerin und Bürger, dem die Lage der kommunalen Finanzen nicht gleichgültig ist –, ist zum öffentlichen Teil ab 19:00 Uhr herzlich eingeladen. Wir freuen uns, wenn auch aus Wiesloch einige den kurzen Weg auf sich nehmen. Über die Ergebnisse werden wir an dieser Stelle berichten.

Auf einen Blick

Veranstaltung„Regionale Wirtschaft stärken!“
WannFreitag, 18. September 2026
Ablaufab 18:00 Uhr Expertenrunde für Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik, Kommunen, Bildung und Zivilgesellschaft · ab 19:00 Uhr öffentliche Veranstaltung für alle Interessierten
WoBürgerhaus Mühlhausen, Schulstraße 6, 69242 Mühlhausen
VeranstalterArbeitsgemeinschaft des Gemeinderats in Mühlhausen
Mit dabeiKurt Beck, ehem. Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und ehem. SPD-Parteivorsitzender